Neuer ambulanter Tarif ATS-TMS 1.0


Liebes Mitglied


Die FMH fordert Sie auf, über die im Einvernehmen mit ihren Tarifpartnern H+ und MTK erarbeitete, sogenannte Revision der ambulanten ärztlichen Tarife abzustimmen. In den vergangenen Tagen ist von verschiedenen Seiten umfassend zum Thema informiert worden. Ich ermuntere Sie, sich ebenfalls gut zu informieren.
Ihre Tarifdelegierten Claudia Kallfelz und Marc Schumacher haben sich unermüdlich dafür eingesetzt, der FMH unseren Standpunkt klar zu machen. Wir haben uns persönlich, in Kommissionen und mit zahlreichen Schreiben für einen gerechten Tarif ohne Einschränkungen stark gemacht. Leider haben wir überhaupt kein Gehör gefunden.
Nach Evaluation des vorgeschlagenen ambulanten Tarifs Version ATS-TMS 1.0 sind wir einstimmig zum Schluss gekommen, dass er in allen Punkten abzulehnen ist.


Folgende Hauptgründe sprechen für diesen Entscheid:


- Der neue Tarif weist schwerwiegende Fehler im Wortlaut, Auslassungen, Einschränkungen (qualitative Dignität) und falsche Beschreibungen auf; im Besonderen fehlt die Möglichkeit zur Verrechnung der häufigsten - ambulant durchgeführten - kinderchirurgischen Operationen im Bereich der Urologie (Zirkumzision GT.7008, Hydrozele GT.7516, Orchidopexie GT 7523, etc.).
- Der neue Tarif basiert vor allem auf Zeitleistungen, die der raschen und qualitativ guten Chi-rurgie nicht entgegenkommen; er anerkennt die qualitative Dignität nicht mehr und akzeptiert zahlreiche, für unseren Beruf untragbare Einschränkungen.
- Eine allgemeine Einbusse von bis zu 40% oder mehr auf dem ärztlichen Teil der ambulanten Leistungen ist zu erwarten (z.B. sinkt der ärztliche Teil für die Behandlung einer Leistenhernie bei einem 5-jährigen Kind von CHF 402.- auf CHF 234.-).
- Um die Kostenneutralität zu gewährleisten wird eine zusätzliche Normierung aller Leistungen nach unten angestrebt (Faktor 0.74). Dadurch wird der ärztliche Teil jeder ambulanten Leistung nochmals sinken.
- Die operative Assistenz durch einen qualifizierten Arzt wird nur mit 30% der ärztlichen Grund-leistung berechnet.
- Ein individueller ärztlicher Faktor (IAF) basierend auf individuellen Kriterien soll eingeführt werden. Er wurde bereits von einer Mehrheit der Ärztekammer abgelehnt, wird aber in der Ur-abstimmung dennoch vorgeschlagen.
Die effektiven finanziellen Konsequenzen des neuen Tarifs sind in der Tat unbekannt. Alle bis heute durchgespielten Szenarien fallen aber zu Ungunsten der Chirurgen und der ärztlichen Leistung im Allgemeinen aus. Grosse Gewinner würden die Spitäler (H+) sein.
Bis zum heutigen Tag haben sich alle chirurgischen Fachgesellschaften, die Radiologen und die Pä-diater dagegen ausgesprochen. Derselben Meinung sind der Vorstand und die Tarifexperten der SGKC-SSCP. Der neue Tarif ist in der vorliegenden Form schlicht untragbar.
Eine Ablehnung bedeutet nicht, dass der aktuelle Tarif in Kraft bleiben wird. Der Bundesrat hat eine subsidiäre Kompetenz, die ihm die Anpassung der Tarife erlaubt, falls die Partner sich nicht einig sind. In diesem Fall würden die Resultate der Revision, mit oder ohne Normierung, als Basis für einen neu-en Tarif gelten. Die Konsequenzen eines solchen Eingriffs bleiben unbekannt, lösen Angst aus und haben zahlreiche Mitglieder der Ärztekammer dazu gebracht hat, die vorliegende Revision als die „wahrscheinlich am wenigsten schlimme Lösung“ zu betrachten. Die Bedrohung durch einen vom Bundesrat durchgesetzten, womöglich noch restriktiveren Tarif kann für uns kein Argument sein, um dem inakzeptablen Vorschlag freiwillig zuzustimmen. Es handelt sich dabei um das Hauptargument der Befürworter des neuen ambulanten Tarifs.
Wir unterstützen auf jeden Fall aktiv die Arbeit der Tarifunion fmCh, die zusammen mit Santésuisse an einem Vorschlag für eine einfachere Pauschalverrechnung arbeitet, der die qualitativen Dignitäten ohne Einschränkungen akzeptiert.
Wir zählen auf Sie. Lehnen Sie diese für unseren Beruf schlechte und untragbare Revision ab und stimmen Sie 7 Mal NEIN! Bitte leiten Sie die Informationen an die jungen Assistenz- und Oberärzte weiter, hauptsächlich an diejenigen, die sich in Weiterbildung Kinderchirurgie befinden. Als FMH Mit-glied haben diese Stimmrecht, sind aber zum Teil noch nicht Mitglied der SGKC-SSCP und erhalten demzufolge unsere Empfehlungen nicht. Es geht um ihre Zukunft, es ist wichtig und unerlässlich, dass die Jungen ihre Meinung kundtun und sich in Kenntnis der Sachlage engagieren. Ihre Stimme, vereint mit unseren, kann das Endresultat beeinflussen.
Für grundsätzliche Fragen und weitere Details stehen wir zu Ihrer vollen Verfügung.

 
Mit kollegialen Grüssen

 
Dr. Nicolas LUTZ